Jede Gesellschaft muss sich Regeln setzen, die in sich widerspruchsfrei sind. Die Regeln sollten gerecht und allgemein akzeptiert sein. Die Regeln basieren aber gleichzeitig auf Grundwerten.  Ich äussere mich hier zu einigen verbreiteten Grundwerten und was ich von ihnen halte.

Freiheit

Ein oft genannter, sehr beliebter und auch durchaus guter Wert. Wer will schon nicht frei sein. So weit alles gut, doch was passiert, wenn die Freiheit des einen mit der Freiheit des anderen in Konflikt kommt? Um ein extremes Beispiel zu nennen: Die Freiheit des einen, andere Menschen zu töten, mit der Freiheit des anderen, zu leben. Freiheit alleine reicht also nicht aus und es braucht zusätzliche Werte.

Gleichheit

Gleichheit ist etwas weniger populär als Freiheit, aber trotzdem doch ein oft genannter Wert.  Gleichheit ist aber ein etwas komischer Wert, denn die Gleichheit alleine ist noch nicht erstrebenswert, sondern ist immer vom Niveau der Gleichheit abhängig. Wenn beispielsweise alle verhungern, ist Gleichheit erreicht, aber niemand findet diesen Zustand erstrebenswert.  Gerade die Ungleichheit in einer arbeitsteiligen Gesellschaft kann auch den schwächsten Gesellschaftsmitgliedern eine merkliche Verbesserung der Lebensumstände bringen. Trotzdem benötigt eine Gesellschaft einen Mechanismus, um Ungleichheit zu begründen. Der meist verwendete und wohl auch am meisten akzeptierte Mechanismus in diesem Zusammenhang ist das Leistungsprinzip.

Leistung

Es muss also einen Mechanismus geben, der für alle akzeptabel begründet, weshalb einige Leute besser gestellt sind als andere Leute. Wenn jemand mehr hat als jemand anderer, so wird dies meistens durch Leistung begründet. Nur wer mehr leistet, hat nach diesem Ansatz ein Anrecht darauf, mehr zu bekommen. Andere Mechanismen, wie etwa einer reichen Familie anzugehören, werden dagegen als nicht gerecht empfunden und unter Schlagwörtern wie Filz oder Vitamin B abgebucht. Das Problem an der Leistung als Mechanismus zur Begründung von Ungleichheit ist, dass nicht alle gleich viel leisten können und deshalb gewisse Personen systematisch benachteiligt sind.

Bedarf

Unter Umständen gibt es Leute, die so wenig leisten können, dass es ihnen ohne zusätzliche Hilfe sehr schlecht gehen würde. Man denke etwa an behinderte oder arbeitslose Personen. An dieser Stelle tritt neben das Leistungsprinzip auch das Bedarfsprinzip. Es scheint allgemein anerkannt, dass die Grundbedürfnisse aller Menschen gedeckt werden sollten, Personen nicht aufgrund nicht selbstverschuldeter Tatsachen im Elend leben müssen.

Chancengleichheit

Eine weitere Folge der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit ist die ungleiche Chance, Leistung zu erbringen. Wenn also das Leistungsprinzip gerecht angewendet werden soll, müssen auch alle die gleichen Voraussetzungen haben, Leistung zu erbringen. Hier kommt wieder eine abgeschwächte Form der Gleichheit ins Spiel: Eine Gesellschaft, welche nach dem Leistungsprinzip funktioniert, muss sicherstellen, dass Chancengleichheit besteht.

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